Zeichen gegen Windräder

Fakten & Argumente

PFAS & Rotorblattabrieb

Ewigkeitschemikalien, Materialverschleiß und die Frage, welche Stoffe beim Betrieb und bei der Entsorgung von Windenergieanlagen in die Umwelt gelangen können.

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Einordnung

Warum dieses Thema genauer betrachtet werden muss

PFAS sind eine sehr große Gruppe industriell hergestellter Chemikalien. Viele dieser Stoffe sind außerordentlich langlebig. Gleichzeitig unterliegen Rotorblätter im laufenden Betrieb erheblichen Belastungen durch Regen, Hagel, UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und Schmutzpartikel.

Dass an Rotorblattoberflächen Erosion und Materialverlust auftreten können, ist technisch bekannt. Nicht pauschal beantwortet ist dagegen, welche chemischen Stoffe bei einer konkreten Anlage in welchen Mengen freigesetzt werden. Dafür müssten die tatsächlich verwendeten Werkstoffe, Beschichtungen und Reparatursysteme offengelegt und untersucht werden.

Wichtige Unterscheidung

Der Begriff PFAS umfasst viele Tausend unterschiedliche Stoffe. Nicht jedes fluorhaltige Material ist gleich zu bewerten, und nicht jedes Rotorblatt enthält zwangsläufig dieselben Stoffe. Belastbare Aussagen sind daher nur möglich, wenn Hersteller und Betreiber vollständige Materialinformationen zur jeweiligen Anlage vorlegen.

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Was sind PFAS?

PFAS ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese künstlich hergestellten Chemikalien werden wegen ihrer besonderen technischen Eigenschaften seit Jahrzehnten in zahlreichen Industrie- und Verbraucherprodukten eingesetzt. Sie können Oberflächen unter anderem wasser-, fett- und schmutzabweisend machen und sind häufig chemisch sowie thermisch sehr stabil.

Genau diese Stabilität ist aus Umweltsicht problematisch: Viele PFAS werden in der Natur kaum oder nur äußerst langsam abgebaut. Einige Stoffe können sich in Organismen und Nahrungsketten anreichern, andere sind besonders mobil und können sich über den Wasserkreislauf verbreiten. Daher werden PFAS häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet.

Die Stoffgruppe darf allerdings nicht pauschal bewertet werden. Eigenschaften, Mobilität und gesundheitliche Wirkungen unterscheiden sich. Bei mehreren PFAS sind problematische Wirkungen bereits gut dokumentiert; bei zahlreichen weiteren Stoffen fehlen noch umfassende Daten.

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Wo können PFAS bei Windenergieanlagen eine Rolle spielen?

Windenergieanlagen bestehen aus einer Vielzahl technischer Komponenten und Werkstoffe. Fluorhaltige Stoffe oder Materialien können grundsätzlich in unterschiedlichen Anwendungen vorkommen, beispielsweise in Beschichtungen, Dichtungen, Kabeln, Schmierstoffen, elektronischen Bauteilen oder besonderen Schutzsystemen.

Für Rotorblätter werden vor allem faserverstärkte Verbundwerkstoffe, Harze, Klebstoffe, Spachtelmassen und mehrschichtige Oberflächenbeschichtungen verwendet. Welche Rezepturen eingesetzt werden, hängt von Hersteller, Modell, Produktionsjahr, Lieferkette und Reparaturverfahren ab.

Deshalb reicht die allgemeine Aussage, Windenergieanlagen seien PFAS-frei oder PFAS-haltig, für eine sachliche Bewertung nicht aus. Erforderlich wären konkrete Angaben zu allen eingesetzten Stoffen sowie zu deren Konzentration, Bindungsform, Alterungsverhalten und Entsorgungsweg.

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Wie entsteht Rotorblattabrieb?

Die Vorderkanten von Rotorblättern bewegen sich mit hoher Geschwindigkeit durch die Luft. Dort treffen Regentropfen, Hagel, Staub, Sand, Insekten und andere Partikel auf die Oberfläche. Hinzu kommen UV-Strahlung, Frost, Temperaturwechsel und mechanische Belastungen.

Diese Einwirkungen können zunächst kleinste Schäden verursachen. Mit zunehmender Betriebsdauer können sich Risse, Aufrauungen und Erosionsstellen vergrößern. Die technische Forschung beschäftigt sich deshalb intensiv mit widerstandsfähigen Vorderkantenbeschichtungen, Prüfverfahren und Reparatursystemen.

Materialabtrag kann sowohl sehr feine Partikel als auch größere Beschichtungs- oder Verbundwerkstofffragmente umfassen. Wie viel Material tatsächlich verloren geht, ist unter anderem von Standort, Wetter, Anlagentyp, Betriebsdauer, Wartungszustand und verwendetem Schutzsystem abhängig.

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Gelangen PFAS durch Abrieb in die Umwelt?

Ob Rotorblattabrieb PFAS enthält, lässt sich nicht allein aus dem Vorliegen einer sichtbaren Erosion ableiten. Entscheidend ist, ob die abgetragenen Schichten oder Bestandteile tatsächlich PFAS oder andere problematische Stoffe enthalten.

Für eine belastbare Risikobewertung müssten deshalb mindestens folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Beschichtungen, Harze, Klebstoffe und Reparaturmaterialien werden eingesetzt?
  • Enthalten diese Materialien PFAS, fluorierte Polymere oder andere persistente Stoffe?
  • Welche Stoffe entstehen durch Alterung, UV-Einwirkung und mechanischen Verschleiß?
  • Wie groß sind die freigesetzten Mengen und Partikel?
  • Wo lagern sich diese Stoffe ab und wie verhalten sie sich in Boden und Wasser?
  • Welche Untersuchungs- und Überwachungsmethoden werden vor, während und nach dem Betrieb angewendet?

Ohne transparente Materialdaten und standortbezogene Messungen bleibt die tatsächliche Belastung schwer einzuschätzen. Das gilt besonders in sensiblen Bereichen wie Wasserschutzgebieten, Quellgebieten, Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Flächen.

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Bedeutung für Boden und Trinkwasser

Einige PFAS sind sehr mobil und können sich über Niederschläge, Oberflächenwasser und versickerndes Wasser verlagern. Einmal eingetragene Stoffe lassen sich häufig nur mit hohem technischem und finanziellem Aufwand aus Boden oder Wasser entfernen.

Gerade im Oberland kommt dem Schutz von Quellen, Brunnen und Grundwasservorkommen eine besondere Bedeutung zu. Vor der Errichtung von Anlagen sollte deshalb geklärt werden, ob potenzielle Stoffeinträge aus Bau, Betrieb, Wartung, Havarien und Rückbau ausreichend erfasst sind.

Vorsorge bedeutet dabei nicht, eine Belastung ohne Nachweis zu behaupten. Vorsorge bedeutet, die notwendigen Stoffdaten und Untersuchungen einzufordern, bevor ein möglicher Eintrag stattgefunden hat und nur noch schwer rückgängig zu machen ist.

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Rückbau, Reparatur und Entsorgung

Auch außerhalb des laufenden Betriebs können problematische Stoffe relevant werden. Beim Schleifen, Fräsen, Zerschneiden oder Aufbereiten von Rotorblättern entstehen Stäube und Materialreste. Für Beschäftigte, Entsorger und Umwelt ist daher wichtig, welche Inhaltsstoffe in den Bauteilen enthalten sind.

Ein vollständiges Rückbau- und Entsorgungskonzept sollte nicht nur die großen Bauteile und Materialmengen benennen. Es sollte auch dokumentieren, wie Beschichtungen, Verbundwerkstoffe, Betriebsstoffe und möglicherweise schadstoffhaltige Komponenten erfasst, getrennt, transportiert, verwertet oder beseitigt werden.

Die Verantwortung dafür muss langfristig finanziell und organisatorisch abgesichert sein. Sie darf nach Ablauf der Betriebszeit oder bei einer Insolvenz nicht bei Grundstückseigentümern, Gemeinden oder der Allgemeinheit verbleiben.

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Welche Informationen sollten offengelegt werden?

Für eine transparente und überprüfbare Bewertung sollten Betreiber und Hersteller mindestens folgende Unterlagen bereitstellen:

  • vollständige Material- und Stofflisten für Rotorblätter und weitere relevante Komponenten,
  • Sicherheitsdatenblätter sowie Angaben zu Beschichtungs- und Reparatursystemen,
  • Erklärung zu enthaltenen PFAS und anderen persistenten, mobilen oder toxischen Stoffen,
  • Herstellerdaten zu Erosion, Alterung, Wartungsintervallen und erwartbarem Materialverlust,
  • ein standortbezogenes Konzept für Boden- und Gewässerschutz,
  • Vorgaben für Wartungsarbeiten, Auffangen von Schleifstaub und Umgang mit beschädigten Bauteilen,
  • ein finanziell abgesichertes Rückbau- und Entsorgungskonzept.

Unser Ziel

Transparenz vor Genehmigung und Betrieb

Wer Anlagen plant und betreibt, sollte offenlegen, welche Stoffe eingesetzt werden, wie Materialverschleiß überwacht wird und wie Boden, Wasser sowie Menschen bei Wartung und Rückbau geschützt werden. Nur auf einer nachvollziehbaren Datengrundlage ist eine sachliche Bewertung möglich.